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Serie „Beziehungsorientierte Führung“ · Teil 1 von 10

Was ist beziehungsorientierte Führung?

Auftakt einer zehnteiligen Reihe: was beziehungsorientierte Führung ist, und warum sie eine zweite, eigenständige Perspektive neben der sachinhaltlichen Führung braucht.

Worum es im Kern geht und warum das heute relevant ist

Erster Teil einer zehnteiligen Reihe zu beziehungsorientierter Führung. Stefan Krämer legt die begriffliche Grundlage: Führung als Einflussnahme auf Aufmerksamkeit in Gruppen, und Beziehungsorientierung als wertebasierter Ansatz, der Menschen und gelingende Beziehungen explizit neben die ökonomische Perspektive stellt. Relevant für alle, die Führung nicht nur fachlich-inhaltlich, sondern auch in ihrer Beziehungsdimension verstehen und gestalten wollen.

Eine beziehungsorientierte Führung legt einen expliziten Fokus auf die Gestaltung gelingender Beziehungen im organisatorischen Kontext. Damit stellt sie eine zweite, sehr bedeutsame Perspektive neben die vorrangig in den Unternehmen anzutreffende sachinhaltliche Perspektive von Führung.

In der folgenden Textreihe erläutere ich im Überblick, was beziehungsorientierte Führung ist (zunächst mit einem Fokus auf Führung) und führt dann die besondere Bedeutung von Beziehungsorientierung in der Führung näher aus. In den weiteren Texten folgt eine Ausarbeitung, welche Beziehungsformen und Kompetenzen in der Führung aktiv auszugestalten sind sowie wie beziehungsorientierte Führung konkret aussehen und wirksam werden kann.

Was beziehungsorientierte Führung ist

Führung kann verstanden werden als die Einflussnahme darauf, wie in Gruppen bzw. Teams Aufmerksamkeit der Beteiligten fokussiert wird. Dies gilt sowohl bei der Führung Einzelner als auch bei der Führung von Teams oder ganzer Organisationen, wobei der Fokus bei ersterem auf die Beziehung von Menschen untereinander und bei letzterem auf die Beziehung von Gruppen untereinander liegt.

Durch die Einflussnahme darauf, wie Aufmerksamkeit fokussiert wird, beeinflusst beziehungsorientierte Führung in diesem Verständnis unmittelbar den Gruppenprozess. In diesem Gruppenprozess geht es immer gleichzeitig sowohl um Führung (Leadership) als auch um die Einwilligung in Führung (Followership). Dieses Verständnis unterscheidet sich signifikant von rollen- oder funktionsbasierten Verständnissen, in denen eine Führungskraft qua Rolle oder Funktion einseitig Führung ausübt (vgl. dazu Northouse, 2026). Führung ist somit eine spezielle Form von Beziehung in Gruppen bzw. Teams und Organisationen. In unserem Verständnis kann Führung also zumindest temporär von allen Beteiligten ausgeübt werden, unabhängig von zuordneten Rollen. Führung kann wandern, abhängig vom Kontext und der übernommenen Initiative der Beteiligten.

Das Konzept der beziehungsorientierten Führung erweitert das Verständnis von Führung und somit auch den Möglichkeitsraum zur erfolgreichen Gestaltung von moderner Führung. Dazu ist es lohnend, zunächst den Blick auf das Konzept der Beziehungsorientierung zu lenken.

Beziehungsorientierung ist ein Ansatz der Persönlichkeits-, Team- und Organisationsentwicklung, ausgerichtet am Menschen, mit dem Ziel gelingender Beziehungen und gemeinsamer, kokreativer Sinnstiftung. Dieser Ansatz basiert auf einem Menschenbild der Bezogenheit und verbindet relationales Denken mit konkreten Haltungen und praktischen Ansätzen, die zur Arbeit mit Menschen befähigen. Dabei greift die Beziehungsorientierung sehr viele Elemente der Systemik auf, beschränkt sich jedoch nicht allein darauf.

Der Ansatz der Beziehungsorientierung ist normativ, d.h. er ist basiert auf Werten und formuliert als Imperativ die strikte Orientierung am Menschen in Abgrenzung zu einer ausschließlichen Orientierung an ökonomischen Kenngrößen (wobei damit kein Gegensatz konstruiert werden soll, da ist die Ökonomie eine der drei Säulen der Nachhaltigkeit).

Beziehungsorientierte Führung verstehe ich als integralen Ansatz, bei dem zeitgleich eine Entwicklung von Einzelnen, Teams bzw. Gruppen sowie der Organisation insgesamt angestoßen werden. Unabhängig davon, wo der erste Entwicklungsimpuls gesetzt wird, verändert sich die anderen Ebenen stets mit und können nicht klar voneinander getrennt werden. Sie sind selbstreferenziell miteinander verbunden. In ihrer konsequenten Ausrichtung am Menschen fokussiert die beziehungsorientierte Führung gelingende Beziehungen, wobei „Beziehungen“ hier als sehr weitgefasster Begriff verstanden werden kann. Alles Gesagte, Gedachte und Gefühlte, aber auch verschriftlichte allgemeine Regeln wie z.B. Zeichnungsberechtigungen transportieren bewusst oder unbewusst Botschaften, die auf Beziehungen Einfluss nehmen. „Gelingende Beziehungen“ umfassen in diesem Verständnis alle Beziehungen, die Menschen helfen, miteinander kokreativ Sinn zu stiften. Im Folgenden soll das Verständnis dieser beiden zentralen Begriffe der Kokreativität und der Sinnstiftung geschärft werden:

Die kokreative Komponente bedeutet, dass es explizit um ein gemeinsames Wirken geht, als Gegenpol zum immer mehr um sich greifenden Individualismus bis hin zur dysfunktionalen Vereinzelung. Diese Gemeinsamkeit ist bereits in der Untrennbarkeit und Wechselwirkung von Leadership und Followership angelegt, da das eine ohne das andere nicht entstehen kann.

Eine Sinnstiftung kann in vielfältiger Richtung erreicht werden. Es kann von der Erreichung gesellschaftlicher Ziele (nicht nur bei Non-Profit Gesellschaften, sondern vermehrt auch bei For-Profit-Unternehmen) über eine Verbesserung im zwischenmenschlichen Miteinander im Team bis hin zu einer Erzielung von Wertschöpfung im ökonomischen Sinne gehen. In einer sozialen Marktwirtschaft haben Preise (zumindest in den meisten Fällen) eine sinnvolle Wirkung zur Erreichung einer effizienten Ressourcenverteilung und zur Vermeidung von Verschwendung. Die nachhaltige Sicherstellung von Einkommen ist ebenfalls eine zutiefst sinnvolle Zielerreichung. Es wird somit klar, dass die Orientierung am Menschen ein breiteres Sinnverständnis von Führung erfordert, als „lediglich“ die Ausrichtung an einer Gewinnmaximierung oder die einer Erreichung von jährlichen Finanzzielen.

Beziehungsorientierte FührungLeadershipFollowership
Porträtfoto von Stefan Krämer

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